4. Welche physiologischen Variablen sind messbar?
Die Pupillometrie ist eine objektive physiologische Messmethode: Unabhängig von kultureller Beeinflussung und den Problemen, die introspektive oder fragebogenbasierte Tests mit sich bringen.
Hess nahm an, dass negative Emotionen die Pupille verengen, und positive Emotionen die Pupille weiten würden, was sich jedoch als unzutreffend herausgestellt hat. Das wirft die Frage auf, welchen Mehrwert die Pupillometrie gegenüber der methodisch einfacher zu erfassenden elektrodermalen Aktivität bietet.
Hess hat festgestellt, dass die Pupillenreaktion nicht vollständig mit der EDA korreliert, sodass je nach Untersuchungsgegenstand und Proband die Pupillenreaktion brauchbarere Ergebnisse liefern kann als die Messung der EDA.
Außerdem gibt es Spezialfälle, z.B. nimmt die für die Pupillengröße typische, ständige Fluktuation bei Müdigkeit zu. Diesen Effekt könnte man zur Entwicklung eines Gerätes nutzen, das die Wachheit eines Autofahrers überwacht und ihn entsprechend warnt.
4.1 Reaktion aufgrund der Meinung / Einstellung zu etwas
Die Pupillenreaktion gibt Einblick in die Einstellung einer Person zu einem Thema. Anders als bei einem Fragebogen kann die direkte Reaktion erfasst werden, die willentlich nicht beeinflussbar ist.
In einem Experiment sollten Versuchspersonen Photos von Nahrungsmitteln nach ihrer Vorliebe sortieren. Die Sortierung stimmte in hohem Maße mit der Amplitude der Pupillenreaktion überein.
Hess zeigte während des US-Wahlkampfes 1964 zwei Gruppen von Versuchspersonen Bilder der Präsidentschaftskandidaten. Die erste Gruppe erhielt negative Propaganda über einen der Kandidaten, die zweite Gruppe einen neutralen Text zu einem anderen Thema. Die Pupillenreaktionen der ersten Gruppe waren danach schwächer als zuvor, bei der Kontrollgruppe blieben sie unverändert.