Voraussetzungen für Flexibilität
Um flexibel agieren zu können, muss erst einmal ein Fundus an Strategien zur Verfügung stehen. Während Lazarus wie oben beschrieben nur die problemfokussierende und die emotionsfokussierede Srategie unterschied, differenziert Perrez
- das situationsorientierte Coping, das sich analog zur problemfokussierenden Strategie um die Außenwelt dreht, jedoch auch Flucht mit einschließt
- das evaluationsorientierte Coping, das analog zur emotionsfokussierenden Strategie eine Umbewertung der Situation vornimmt, bzw. zu einer Abwertung der blockierten Ziele führt, sowie das
- repräsentationsorientierte Coping, das eine (Zwischen-)lösung in der Informationssuche sieht.
Weitere Unterscheidungen und Copingvarianten bietet Kaluza an, der palliativ-regeneratives, Krohne, der kognitiv-vermeidende, und Laux & Weber, die zusätzlich intrapsychisches, aktionales und expessives Coping hinzufügen. Neben diesen grundlegenden Unterscheiden ist auch immer eine sozial verträgliche Bewältigung sinnvoll, da eine vor de Kopf gestoßene soziale Umwelt schnell den nächsten Stressor bereit hält. Nun kommt es jedoch nicht auf die Auswahl einer Strategie an, sondern um ein adaptives Muster von Bewältigungsabfolgen.
Methodische Probleme
Sowohl die abhängige Variable (z.B. Wohlbefinden, Ausmaß der Symptome) als auch die unabhängige Variable (Arbeitsbelastung, Ausmaß konflikthafter Interaktionen, …) wird in den meisten Studien mit Selbstratingverfahren erhoben, also von den Teilnehmern selbst ausgefüllt. Da ist anzunehmen, dass es Verfälschungen in Form von künstlichen Korrelationen gibt. Des weiteren werden erkrankte Personen meist nicht mit erhoben, was in einer Studie, die Gesundheit mit Stress in Verbindung bringen möchte, natürlich schlecht ist.
Studie von Lehr et al. (2008)
In der vorliegenden Studie sollen diese methodischen Fehler vermieden werden und vor allem ein Augenmerk auf die multivariaten Zusammenhänge gerichtet weren: Welche Bewältigungsstile ergeben ein harmonisches Konzert in welchen Situationen? Zu der Selbstbeurteilung kommt ein objektives Kriterium: Die Dauer des Klinikaufenthaltes infolge einer diagnostizierten, stressbedingten Störung. Außerdem beschränkt sich die Studie nicht auf die beiden grundlegenden Bewältigungsstile von Lazarus, sondern bezieht auch die Strategien mit ein, von denen ein Zusammenhang zu psychischen Störungen nachgewiesen ist. Als neues Element wird eine neu entworfene Skala hinzugezogen, die das Vermögen erfasst, die Aufmerksamkeit von einem aversiven Inhalt abzuziehen und sich positive Emotionen zu verschaffen (in anderem Kontext auch Selbstregulation genannt, hier aber auf Stress bezogen). Von dieser Fähigkeit wird eine protektive Wirkung erwartet.
Stress ist, was man daraus macht. Allerdings sind emotionsfokussierende Bewältigungsstrategien bei Stress bisher schwer anzuwenden. Nach meiner Erfahrung liegt das (auch) daran, dass eben die emotionalen Erlebnisse eine lange Vorgeschichte haben und eigentlich eher im Sinne von “Nadelstichtraumata” schon immer und immer wieder aufgetreten sind. Übliche Stressbewältigungsmechanismen haben da Schwächen.