1.3. Stress und Gesundheit
Die genannten Einflussfaktoren moderieren die organismische kompensatorische Gegenreaktion auf den Stressor. Im günstigen Falle wirken sie als stressreduzierende Ressourcen. Bei einem Defizit oder einer ungünstigen Konstellation des Einflussfaktors wird der Druck auf das organismische Regulationssystem verstärkt, was wiederum eine stärkere Gegenregulation nach sich zieht.
Zu unterscheiden ist eine kurzzeitige Aktivierung (akuter Stress), die auf einer akuten Anforderung beruht und einer längerfristigen Dauermobilisierung (chronischer Stress), die sich unterschiedlich auf die Gesundheit auswirken:
- Akuter Stress:
Wird durch Bedrohungskognitionen und negative Emotionen ausgelöst und befähigt den Organismus z.B. über eine Steigerung der neuronalen Aktivität zu einer situationsangemessenen Reaktionsfähigkeit. Nach Abklingen des Stressors kehrt der Organismus in einen ausgeglichenen Zustand zurück und ist bereit für eine nächste Aktivierung.
- Chronischer Stress:
Sind die Regulationsversuche des Organismus nicht erfolgreich, bleibt das System in einem Zustand der dauerhaften Spannung. Dies führt zum einen zu einer direkten Erschöpfung des Organismus sowie zu einer Verfestigung der Stresssituation (z.B. durch Identifikation mit dem andauernden Stresszustand.)
Die dauerhafte Anspannung des Organismus wird nicht nur subjektiv als unangenehm erlebt, sondern zeigt sich darüber hinaus in pathogenen Wirkungen. Die pathogenen Wirkungen zeigen sich auf unterschiedlichen Ebenen:
- Psychisch, z.B. durch sinkende Handlungsfähigkeit bis hin zum Kontrollverlust über wichtige Lebensbereiche und personale und soziale Desintegration. Frustration in diesen elementaren psychischen Ausdrucksbereichen kann zu vielfältigen Störungen der psychischen Schwingungsfähigkeit führen.
- Somatisch, z.B. durch erhöhte Vulnerabilität der durch Stress belasteteten endokrinen, immunbiologischen und physiologischen Regulationssysteme gegenüber Infektionen.