Apr
13
2009

Stressreduktion

2.4.1. Der Langzeitkurs

2.4.1.1. Einführung (1. Stunde)

In der ersten Stunde soll die neugeformte Gruppe sich kennen lernen und “auftauen”. Die wichtigste Aufgabe des Kursleiters besteht darin, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen und die Teilnehmer aus der Rolle der beobachtenden Passivität zu bewegen. In einer Übung wird z.B. ein Wollknäuel von Teilnehmer zu Teilnehmer geworfen, wobei der Werfende den Faden festhält und daraufhin eine persönliche Frage an den Fänger des sich aufrollenden Wollknäuels stellt. Das Netz aus Fäden soll das entstehende soziale Netz symbolisieren. Neben dem Erläutern der üblichen Gruppenregeln wird ein Stresskurztest durchgeführt, der ggf. am Ende des Kurses wiederholt werden kann.

2.4.1.2. Individuelle Stressanalyse und Vermittlung der Entspannungstechnik (2.+3. Stunde)

Nach der ersten Tuchfühlung in der ersten Stunde sollen die verschiedenen Ebenen, auf denen Stress wirkt, erarbeitet werden. Der Fokus besteht darin, Stresssignale auf der kognitiven-, emotionalen-, somatischen- und der Verhaltensebene zu erkennen und eine Sensibilität dafür aufzubauen. Da nun klar ist, dass Stress mehr als ein unangenehmes Gefühl von Zeitdruck ist, sollte die Neugierde der Teilnehmer geweckt sein, sodass in der dritten Stunde theoretische Inhalte vermittelt werden:

- akuter Stress ist ein lebenswichtiger Alarmzustand, der dem Organismus zusätzliche Energie bereitstellt.

- Bleibt Stress über einen längeren Zeitraum bestehen, wirkt er sich negativ auf die Gesundheit aus und führt zu psychischen und somatischen Symptomen.

- Das Stressphänomen äußert sich individuell unterschiedlich, ebenso unterschiedlich können deshalb die individuellen Ansatzpunkte und Möglichkeiten sein, mit Stress umzugehen.

Neben einer Fragerunde, in der die Teilnehmer die ihnen bislang bekannten Stresssymptome nennen, überlegen sich die Teilnehmer wie sie auf die Symptome reagieren und was die Ursachen für solche Situationen sind.

Des Weiteren wird anhand eines vorbereiteten Arbeitsblattes eine persönliche Stressorenbilanz gezogen. Neben der Identifizierung der individuellen Hauptstressoren werden die Teilnehmer ermuntert, im Alltag auf diese Stressoren zu achten und ein Bewusstsein über sie zu entwickeln.

Als weitere Übung dieses Abschnittes identifizieren die Teilnehmer “innere Antreiber” auf einem Arbeitsblatt und bewerten diese als für ihr Leben als hilfreich oder weniger hilfreich. Diese inneren Antreiber sind analog zu EllisĀ“ irrationalen Überzeugungen formuliert. Die Auswertung des Bogens erfolgt unter dem Gesichtspunkt der Stressrelevanz, der Teilnehmer soll erkennen, dass die kognitive Bewertung von Situationen sowohl Stress reduzieren, als auch Stressreaktionen auslösen kann.

Als praktische Übung lernen die Teilnehmer die sogenannte “Stress-Bremse” kennen. Dabei wird eine offenbar aus der transzendentalen Meditation abgeleitete Entspannungstechnik verwendet: Die Relaxation-Response-Technik nach Benson.
Dabei wird in einem entspannten Zustand bei jedem Ausatmen ein positiv besetztes Ruhewort über einen Zeitraum von 10-20 Minuten innerlich wiederholt. Die Technik wurde ausgewählt, weil sie leicht erlernbar ist und schnelle Ergebnisse ermöglicht. In diesem Kursabschnitt liegt der Schwerpunkt in der Erlernung der Technik; in späteren Kursabschnitten werden thematische Inhalte eingeflochten.

Mit den Übungen und Informationen dieses Abschnitts ist ein Grundstock an StressWissen aufgebaut, der aufgrund der Berücksichtigung individueller Unterschiede bereits für sich Ansätze zur Stressreduktion bietet. Der Teilnehmer ist in der Lage, eine konkrete Stresssituation zu analysieren.

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