2.4.1.4. Persönlichkeits- und Selbstwertstabilisierung
(6.-8. Stunde)
Die Kursstunden 6 – 8 haben in unterschiedlichen Sichtwinkeln die Stärkung der eigenen Identität zum Thema.
In der 7. Stunde findet eine Orientierung auf die Vergangenheit statt. Zuerst wird der bisherige Kursverlauf rekapituliert, dann auf die Vergangenheit der Teilnehmer. Um dies anschaulich zu gestalten, stellt der Kursleiter erinnerungsträchtige Gegenstände zur Verfügung, die auf das Alter und die Herkunft der jeweiligen Kursteilnehmer zugeschnitten sind. Das kann ein altes Wählscheibentelefon, ein DM-Schein, oder auch eine alte Schallplatte sein.
In der anschließenden meditativen Rückbesinnung werden die gezeigten Gegenstände mit der individuellen Vergangenheit in Verbindung gebracht. Wie in einem filmischen Rückblick soll das ganze Leben angeschaut werden: Situationen, in denen der Teilnehmer besonders erfolgreich war, die besonders peinlich waren, oder wo wichtige Entscheidungen getroffen wurden.
Damit sind die Teilnehmer auf eine weitere Übung eingestimmt, die mit dem Namen “Meilensteine des Lebens” eine Rekonstruktion der eigenen Vergangenheit bewerkstelligen. Dabei sollen Orte in der Vergangenheit, in denen der Teilnehmer einer besonderen Belastung ausgesetzt war, schraffiert dargestellt werden.
Die Ergebnisse werden in Kleingruppen verglichen und anschließend der ganzen Gruppe vorgestellt.
In der 8. Stunde wird die Erforschung der eigenen Identität noch intensiviert. Im Rahmen der Übung “Das Buch des Lebens” entwerfen die Teilnehmer ein Buch mit Kapiteln und Überschriften, die das eigene Leben mit all seinen Teilbereichen (z.B. Arbeit, Familie, Freunde, Aktivitäten, Hobbys) widerspiegeln. Dabei sollen klare Trennungslinien und Überlappungen die Beziehungen zwischen den Teilbereichen verdeutlichen. Aus dem “Buch des Lebens” soll sich ein Gesamtbild der Person ergeben.
Als nächstes erfahren die Teilnehmer in einem Kurzvortrag des Kursleiters Details über den Zusammenhang von Identität und Stress, und inwiefern die Arbeit an der Identität ein wichtiger Faktor der Stressreduktion sein kann.
Dabei zeigt der Kursleiter auf, dass die Reflektion der eigenen Identität in unserer heutigen Gesellschaft eine höhere Wichtigkeit besitzt, als in früheren Zeiten, in denen Rollen in vielen Lebensbereichen festgelegt und wenig ab-änderlich waren.
Die einmalige Ausbildung einer relativ statischen Identität ist der Möglichkeit gewichen, eine sich dynamisch an verändernde Lebensumstände anpassende Identität aufrecht zu erhalten.
Die höhere Freiheit in der Lebensgestaltung und Einnahme von Rollen in unterschiedlichsten Lebensbereichen erlaubt einerseits mehr Handlungsspielräume, doch andererseits verlangt sie auch ein höheres Maß an Kompetenzen in der Neubewertung sich ändernder Lebensumstände und dem “Umschalten” zwischen aktuellen Lebensbereichen.
Es ergibt sich der Zusammenhang zu Stressreduktion: Je variabler die sozialen Rollen und Verantwortlichkeiten sind, umso größer sind die potenziellen Probleme, diese Anforderungen zu meistern, und bei geringer Passung mit den eigenen Bedürfnissen und Kompetenzen Stress zu erleben.
Umso wichtiger ist es, intakte Lebensbereiche zu pflegen und sich dieser bewusst zu sein, damit Krisen und Belastungen in einzelnen Lebensbereichen nicht die gesamte Persönlichkeit aus dem Ruder werfen.
Ziel dieses Kursabschnittes ist deshalb, den Teilnehmer sich selbst immer wieder in den Mittelpunkt der eigenen Aufmerksamkeit und des Nachdenkens zu stellen.